"Am Anfang merkt man noch nicht viel davon.
Man hat eines Tages keine Lust mehr, irgendetwas zu tun. Nichts interessiert einen, man ödet sich. Aber diese Unlust verschwindet nicht wieder, sondern sie bleibt. Sie wird schlimmer, von Tag zu Tag, von Woche zu Woche. Man fühlt sich immer missmutiger, immer leerer im Innern, immer unzufriedener mit sich und der Welt. Die ganze Welt kommt einem fremd vor und geht einen nichts mehr an.Es gibt keinen Zorn mehr, und keine Begeisterung. Man kann sich nicht mehr freuen und nicht mehr trauern.Man verlernt das Lachen und das Weinen. Dann ist es kalt geworden in einem und man kann Nichts und Niemanden mehr lieb haben. Dann hört nach und nach sogar dieses Gefühl auf und man fühlt gar nichts mehr. Man wird ganz gleichgültig und grau."
Michael Ende, Momo
Die meiste Zeit komm ich mit mir ganz gut klar in letzter Zeit, aber zwischendrin gibt es immer diese Momente, in denen ich zweifle. Klar ist das bis zu nem gewissen Grad normal, aber ich meine ich fühle mich den ganzen Tag gut, dann wird es dunkel und ich werde traurig. Vielleicht weil am Tag entweder im echten Leben oder im Internet immer jemand da ist mit dem ich mich unterhalten kann, was mich davon abbringt über mich selbst nachzudenken und mich selbst mit meinen Fehlern zu konfrontieren. Was bestimmt seine guten Seiten hat, nicht jeder Mensch ist wirklich selbstreflektiert und denkt über das nach was er tut, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass es mich überwältigt und ich wieder nachts wachliege, weil mich die Ereignisse des Tages und die Analysen, Deutungen und mögliche Folgen, die ich in meinem Kopf durchgehe nicht Schlafen lassen.
Ich glaube ich habe mich in letzter Zeit verändert. Ich weiß nicht wieso, aber in mir hat sich Wut aufgestaut, deren Ursprung mir nicht klar ist. Ich hab nicht das Gefühl, dass es Leute gibt, mit denen ich zu tun hatte, die mich nicht mochten, nur Leute von denen ich wirklich will, dass sie mich mögen, da hab ich immer ein schlechtes Gefühl. Angst diese Menschen zu vergraulen und hasse mich danach soviel Blödsinn geredet zu haben. Was ist heute anders als früher? Ich bin nicht mehr so dünn ja, aber bin ich geistig so schwach, dass ich das so kaschieren muss? Das hat mich vorher auch nicht interessiert. Was ist also los mit mir? Was hat mich so demoralisiert, was hat mir meine Energie genommen, wieso bin ich so angewiesen auf die Sympathie anderer Menschen. Warum denke ich an eine Person, die mich sehr verletzt hat in dem Glauben, dass sie die einzige wahr, die jemals wirklich gepasst hat. Aber das ist ne lange Geschichte und Jahre her. Und fortgesetzt wird diese sicher nicht.
Muss ich mir nur weil das letzte nicht geklappt hat jetzt irgendwas beweisen? Dass ich das kann vielleicht? Wäre irgendwie arm, aber das kenn ich ja von mir. Ich lass mich so oft von meinem Unterbewusstsein leiten, vielleicht auch dieses Mal und vielleicht wollte es das so um mein verletztes Selbstvertrauen und Ego wieder aufzubauen und mir selbst zu zeigen, dass es mir leicht fällt Menschen dazu zu bringen mich zu mögen.
Und dabei bin ich die ganze Zeit eigentlich voll und ganz überzeugt davon, immer ich selbst zu sein. Aber wenn ich nicht viel darüber nachdenke was ich tue, sondern einfach das tue wonach mir der Sinn steht, bin ich das ja eigentlich oder etwa nicht?
Oder ist das überhaupt das so viel erwähnte "Sei du selbst" oder "Folge deinem Herzen"? Lebe ich das nun wirklich aus oder bilde ich mir nur ein das zu tun, während ich einfach vor mich hin lebe, in der Hoffnung, dass bald irgendetwas geschieht, was diese furchtbare Langeweile meines Lebens beendet. Das vielleicht eine Person auftaucht, für die sich diese ganzen Gedanken lohnen würden, oder das ich einfach mal etwas neues sehe und nicht jeden Tag die selben Straßen, Menschen und Gebäude. Ich bin so müde in letzte Zeit und das in allen Bedeutungen, die man aus dem Wort müde ziehen kann. Sprache und Wörter und deren Bedeutungen haben mich immer fasziniert. Eine Leidenschaft, die nicht alle nachvollziehen können.
Aber bin ich denn ich selbst und folge ich meinem Herzen, wenn ich zwar das tue wonach mir der Sinn steht, aber mich fühle als würde ich meine Identität verlieren, weil der Mensch den ich im Spiegel sehe, auf einmal so anders aussieht und ich ihn anders sehe, als ich es noch vor ein paar Monaten tat? Wenn ich also ich selbst bin, während ich mich nicht mehr fühle, wie ich.
Wer bin ich dann?
Und wo gehöre ich dann dazu? Es gibt zwar eine Gruppe Menschen zu denen ich mich zugehörig fühle, aber ich fühle mich manchmal als wäre diese Welt eines dieser Spiele für Klein Kinder zum trainieren ihrer Koordination, in dem man verschiedene Formen in die passenden Löcher stecken muss. Ich bin in diesem Fall ein kaputtes Teil, dass nicht hinein passt. Aber vielleicht bin auch ich das richtige Teil und die anderen sind kaputt. Vielleicht muss man sich diese Fragen als Künstler stellen. Ich habe viele Dinge schon immer etwas anders gesehen und wahrgenommen als andere Menschen, aber eigentlich vertrete ich doch die Meinung, dass alle Menschen gleich sind und nur durch ihr Umfeld praktisch gesehen individualisiert werden. Was sollte mich also, egal ob nun positiv oder negativ gesehen, ausgerechnet mich also, zu etwas Besonderem, dass sich von dieser "normalen" Masse abhebt machen. Vielleicht sind es nur diese Gedanken, die mich abheben, vielleicht sind diese Gedanken aber auch eine Behinderung, die mich daran hindern, so zu sein wie die anderen und einfach glücklich vor mich hin zu leben, ohne mich selbst und mein Umfeld zu studieren, sondern wirklich einfach nur meinem Herzen zu folgen und das zu tun, was ich will.
Aber ich bin nun mal wie ich bin und muss damit fertig werden. Einen anderen Weg gibt es nicht.
Nur meinen und den muss ich gehen wie er ist. Zwar gibt es viele Dinge auf diesem Weg, die ich beeinflussen und ändern kann, aber ich bleibe ich. Man könnte es wie ein Gebäude sehen. Man kann die Steine zwar verschieden anordnen, aber der Stein an sich bleibt der Selbe. Und für verschiedene Gebäudearten müssen die Steine unterschiedlich angeordnet werden. Und je nachdem was für ein Stein es ist, muss das anders gemacht werden, da ja jeder Stein anders geformt ist und eine andere Stabilität aufweist.
Wenn man das Leben nun so darstellt muss man auch die Entwicklung eines Steins bedenken, der aus einem natürlichen Brocken zu dem geschliffen wird, was er später im ganzen darstellen soll. Wenn man das als Entwicklung eines Menschen von der Geburt bis zum Erwachsensein, wie immer man das auch von Mensch zu Mensch genau definiert, darstellt, stellen sich wieder Fragen, wie man dann selbst geschliffen ist und ob ich als dieser Stein, denn schon so wie ich bin geschliffen bin oder noch weit davon entfernt bin oder vielleicht einer meiner Steine einen Sprung hat, oder vielleicht alle. Vielleicht müssen diese Steine ausgetauscht werden, was man vielleicht mit geistiger Entwicklung gleichsetzen könnte, oder einem Krankheitszustand, oder vielleicht ist es als Warnsignal zu sehen, ein Signal, dafür, dass etwas nicht läuft wie es laufen sollte, oder das man sich in die falsche Richtung bewegt, oder vielleicht auch nur, dass man langsam älter wird und vielleicht, dass was man gerne wäre nicht mehr sein kann.
Was mich wieder zur anfänglichen Frage bringt, wer ich denn nun eigentlich bin.
Wer oder was ich bin. Die Frage wer ich bin beantwortet sich sehr einfach. Ich bin ich.
Aber was genau ist dieses Ich, was stellt es dar, was ist seine Identität?
Wo ist sein Platz im Leben?
Und sich diese Fragen zu stellen, ist das dieses berühmte Erwachsen werden von dem alle so fasziniert reden.
"Ist man jung, will man möglichst schnell Erwachsen werden, ist man dann erwachsen, will man wieder jung sein."
Natürlich ist an diesem Spruch etwas dran, aber ich muss zugeben, mir war das immer egal.
Natürlich hab ich mich gefreut mit dem Alter ein paar Dinge mehr zu dürfen, aber im Grunde genommen war es mir nie wichtig möglichst schnell Erwachsen zu werden und ich will auch nicht wieder jünger sein. Ich will einfach Ich sein und vielleicht glücklich, dabei ist es mir völlig egal wie alt ich bin.
Ich verstehe Menschen nicht, die sich darüber beklagen, dass sie 30 oder 40 werden. Wenn ich ehrlich bin, finde ich das sogar ziemlich lächerlich. Das sind nur Zahlen und bedeuten im Grunde nichts. Natürlich läuft die Lebenszeit ab, aber es liegt an dir was du mit deiner Zeit tust. Und einen Menschen, der mir sagt, dass sein Leben mit 40 vorbei wäre, kann ich nur bemitleiden.
Manchmal fühle ich mich noch wie ein kleiner Junge. Manchmal scheint es noch durch und es gelingt Momenten, Ereignissen und Dingen noch mich zum staunen zu bringen. Das ist eins der wenigen Dinge, meines Wesen, von dessen Vorteil und falls dieses Wort passt, Gutartigkeit überzeugt bin.
Falls ich jemals herausfinden sollte wer ich bin, wenn diese Frage denn nun überhaupt noch Sinn ergibt, werde ich es mich wohl irgendwann wissen lassen.
Ich hasse und liebe mich zur selben Zeit, das muss jemand anders auch erstmal hinkriegen. Einzigartig bin ich bestimmt, so wie es jeder Mensch ist und zusammenfassend könnte ich sagen, dass man sich nie sicher sein kann, ob alles so ist wie es scheint, oder ob die Dinge, die wie Züge durch deinen Kopf fahren, nach innen und aussen hin, dass sind was sie zu sein vorgeben, oder ob dich das im Grunde genommen zu dem macht was du bist.
Einzig und allein wäre noch zu sagen : Ach Scheiß drauf..
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